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Paul Michael Glaser

 

"Our ability to love is our truest power, our greatest power as human beings." PMG

Update:
November 23, 2006

Paul Michael Glaser spricht an der La Sierra Universität

 

Am Donnerstag den 14. April 2005, hielt Paul eine Präsentation an der La Sierra Universität für den Fachbereich Englisch und Kommunikation.

 

* 15.00 Uhr: Paul Michael Glaser erzählte über sein Leben in der Unterhaltungsindustrie. Center, Raum 102

 

Campus der La Sierra Universität

4500 Riverwalk Parkway

Riverside, CA 92515

USA

Das Video ist die ganze Zeit auf Mr. Glaser gerichtet, während er auf Fragen aus dem Publikum antwortet. Er kam auf unseren Campus, um sich mit den Studenten zu unterhalten, das Video wurde während einer Sitzung aufgenommen. Es handelt sich um zwei „Vorträge“, jeder etwa eine Stunde lang. Im ersten Gespräch diskutiert er seinen Umgang mit der Berühmtheit und der Unterhaltungsindustrie, das andere Gespräch ist über das „Zurückgeben“, die Philanthropie.

Das Video ist klar, es wurde aus einer Entfernung von ca. 3 m aufgenommen. Es gibt keine Bühne, er sitzt auf einem Hocker vor der Klasse im Raum.

Über die Unterhaltungsindustrie

Nachmittagssitzung

PAUL: Ich bin am Besten im Fragen beantworten, hoffe ich zumindest, keine Fan-Fragen, aber was immer sie interessiert, was sie gern herausfinden möchten.

So, ist irgendjemand mutig genug, eine Frage zu stellen?

(zeigt auf das Publikum) Sir…

Fragesteller 1: Ich konnte nicht anders und habe mir die letzten zwei Episoden von Michael Mann, Thomas Stock, Fernando Lamas angesehen. War es, als sie diese Episoden damals gemacht haben, war es wie eine eingeschworene Gesellschaft oder haben sie immer wieder mit denselben Leuten zusammengearbeitet…

PAUL: Ah…

Fragesteller 1: (fährt fort)… außerdem, eine weitere Frage von mir, wenn es mir erlaubt ist, war eines ihrer Drehbücher von Michael Mann?

PAUL: Ja, Michael war einer der Autoren bei „Starsky & Hutch“.

Fragesteller 1: War es Ihre Filmproduktion von Michael Mann… war es der Film…?

PAUL: Nein, nein, nein, er war ein Autor fürs Fernsehen, bei „Starsky & Hutch“ war er einer unserer Autoren.

Und nach „Starsky & Hutch“ machte er mit „Miami Vice“ weiter und dann fing er an, Filme zu drehen. Tatsächlich gab er mir die Regie für meinen ersten Film. Und Fernando Lamas, ich weiß nicht, wie viele Episoden Fernando gemacht hat. Ich glaube, ich weiß, dass er mindestens eine gemacht hat, weil ich die ganze Zeit lang damit verbracht habe, ihn zu imitieren (lacht), aber das war es dann auch schon.

(zeigt aufs Publikum) Ja, Mam.

Fragesteller 2: Ich habe eine Frage bezügl. ihres Stunt Doubles, usw. Haben sie all die Rennerei, rauf- und runter, die Sprünge und alles selbst gemacht … da ist sehr viel Energie zu spüren, aber es sieht aus, als wäre es sehr ermüdend!

PAUL: Nun, wir haben die Show gedreht, es hat 7 Tage gedauert um eine einzelne Folge abzudrehen. Wir haben nicht 7 Tage am Stück gearbeitet, wir haben am Wochenende zwei Tage frei genommen, es war eine Action Show, zwei Hauptdarsteller, also haben wir viel, sehr lange und sehr hart gearbeitet. Ich habe die meisten meiner Stunts selbst gemacht. Die einzigen Stunts, die ich nicht machen konnte, waren Höhen. Ich mag keine Höhen. Ich konnte nicht aus Fenstern springen, aber ich bin immer selbst gefahren und all das.

Nächster. Sie hatten eine Frage.

Fragesteller 3: War Starsky und Hutch… war das ihre erste Rolle oder…?

PAUL: Nein, ich kam zu… ich fing als Student ungefähr im 2. Studienjahr in der High School mit der Schauspielerei an, im 3. Studienjahr in der High School. Ich fing mit dem Sommermaterial an und dann schließlich spielte ich viel Theater im College, während der Sommerzeit habe ich viel Repertoiretheater gespielt und dann bin ich an den Broadway gegangen. Ich ging nach New York City und habe gekellnert, arbeitete an der Bar, und ich machte meine Runden, arbeitete außerhalb vom Broadway, und dann machte ich eine Broadwayshow und eine Seifenoper zur gleichen Zeit. Dann ging es mit „Fiddler on the Roof“ (dt. „Anatevka“) weiter. Und dann kam ich zurück und fuhr raus nach LA, was eigentlich eine Woche sein sollte und blieb anderthalb Jahre. Dann ging ich zurück nach New York und machte eine andere Seifenoper weil ich dachte, dass ich eine andere Broadwayshow machen könnte. Und dann hatte ich die Seifenoper satt, also hörte ich auf, und ich kam zurück nach LA und dann war da dieser TV-Film namens „Starsky und Hutch“ und ich sagte: „Nun, ich brauche neues Filmmaterial von mir“. Ich dachte nicht, dass es eine Serie wird, also bekam ich meinen Fuß in die Tür. (breites Grinsen)

(An Publikumsmitglied) Ja, … sir.

Fragesteller 4: Ich bin Schauspieler, und arbeite in Werbespots. Ich habe versucht, einen Repräsentanten zu finden, für das Theater, und das scheint sehr schwierig zu sein, und auch in Bezug auf meine kommerzielle Arbeit. Wie machen sie das, dass jemand sie vertritt… für das Theater?

PAUL: Nun, es ist eine Zwickmühle. Kennen sie diesen Ausdruck? Es ist eine paradoxe Situation in der sie einen Agenten brauchen um in ein Vorsprechen hinein zu kommen und dann sagt der Agent: „Lassen sie mich wissen wenn sie in etwas mitspielen, damit ich kommen und sie mir ansehen kann und dann sage ich ihnen, ob ich sie unter Vertrag nehme…“

Fragesteller 4: Genau das ist schon passiert.

PAUL: Ja. Und das führt zu der Frage „Nun, wie haben sie das gemacht“ und die Leute haben mich gefragt wie ich es in Angriff genommen habe. Wie ich das gemacht habe, ist irrelevant. Wie irgendjemand es angepackt hat ist irrelevant, weil jede Person es auf eine andere Art und Weise angeht. Da ist eine Sache die die erfolgreichen Leute gemeinsam haben. Als ich einen Meisterkurs über Regie an der UCLA hielt und nach Handzeichen von den Leuten gefragt habe, die das Gefühl hatten, dass sie das wirklich tun mussten, da war durchaus Leidenschaft, was auch immer, aber da war nur ein einziger, der die Hand gehoben hat. Aber all die Leute, die es geschafft haben, so glaube ich, haben diesen Zwang, haben dieses Bedürfnis, und wenn sie diesen Antrieb haben, dann schauen sie sich die Situation an, sie schauen, was da draußen ist, sie schauen, was los ist und greifen es mit ihrer eigenen speziellen Neugierde an und sie merken, wie sie in verschiedene Richtungen gehen und verschiedene Dinge ausprobieren. Wie bei anderen Sachen auch, tun sie es, indem sie es üben und viele Leute bezeichnen sich selbst als Schauspieler wenn sie eigentlich Schauspieler sein möchten, aber sie haben eigentlich nie richtig gespielt. Ich sage den meisten Schauspielern, den jungen Schauspielern, die ich treffe, wenn diese mich nach Anregungen fragen, dann sage ich: „Meine Anregung ist, dass du in den Bus steigst, nach New York fährst und dort einen Job findest und einen Weg findest, zu leben und dich zu ernähren, deine Runden machst und an Türen klopfst und dann weißt du, ob du das Zeug dazu hast, ein Schauspieler zu sein, weil du diese Art von Hingabe dafür brauchst.“ Es macht einen Unterschied ob man für etwas engagiert ist, und ich glaube, das trifft auf das Leben im Allgemeinen zu. Es ist ein Unterschied zu sagen: „Meine Güte, ich glaube das wäre eine coole Idee, ich würde das glaube ich gern machen“, im Gegensatz zu „Ich muss da draußen unbedingt etwas finden, ich muss wirklich studieren, ich muss lernen, ich muss meine Wege erledigen“. Und ob Leute einen gewissen Grad an Bekanntheit aufgrund eines enormen narzisstischen Bedürfnisses, sich selbst zu sehen, erwerben, oder ob sie ein künstlerisches Bedürfnis haben, das Handwerk des Schauspiels auszuüben, was hauptsächlich im Theater praktiziert wird. Sie müssen verstehen, im Theater erhalten sie eine Darstellung für anderthalb bis zwei Stunden aufrecht. Da ist niemand, der „Schnitt!“ ruft, es gibt keine neuen Versuche. Sie sind dort mit sich selbst und dem Publikum, dort lernt man es wirklich, dort bekommen sie ihre Stärke als Darsteller. Sie brauchen diese Stärke, weil die Film- und Fernsehindustrie in der Tat eine Ausübung in Sachen Narzissmus ist, es ist eine Übung hinsichtlich… sie kommen nicht dazu, wissen sie, wenn sie auf der Bühne arbeiten, ist es ein Bühnenportal, und da ist das Publikum, und da sind sie und sie haben etwas Distanz um eine Illusion zu erschaffen. Wenn sie vor der Kamera arbeiten, filmt die Kamera sie. Wenn ich als Regisseur jemanden engagiere, dann möchte ich, dass der Charakter durch die Tür kommt. Es mag vielleicht nicht der Charakter sein, wie ich ihn mir vorgestellt hatte, aber wenn jemand durch diese Tür kommt, bei dem als Mensch etwas Interessantes vorgeht, dann bin ich als Regisseur interessiert. Nun, das ist alles gut und schön, aber das Problem ist, sobald sie sich selbst da oben auf der Leinwand sehen… sie haben nicht die Distanz, die sie als Schauspieler haben, wenn sie im Theater arbeiten. Das sind sie auf der Leinwand und die Kamera sieht, wenn sie die Wahrheit sagen und wenn sie eine Lüge erzählen. Die Kamera sieht alles. Das ist der Grund, warum sie sich selbst im Film beobachten und warum sie sich entweder selbst lieben oder hassen können. Aber die Verführung, wenn sie sich selbst nicht hassen, die Verführung, sich in sich selbst zu verlieben ist so groß, dass es sehr sehr schwierig ist zwischen sich selbst da oben auf der Leinwand und dem Handwerk, das sie praktizieren, dem Schauspiel, zu unterscheiden... denn es ist ein Handwerk. Und so, im Film und Fernsehen zu lernen wie man spielt, ist beinahe ein Widerspruch. Sie lernen die Technik, sie lernen, wie sie Dinge vor der Kamera tun, sie lernen ihren Text auswendig zu lernen, sie lernen wie sie ihre Markierungen treffen, sie lernen auf die Kamera zu reagieren, sie lernen viele Dinge, aber was sie nicht lernen, ist das Handwerk, das ihnen hilft, wie sie einen Unterschied zwischen ihnen als Künstler und dem Bild auf der Leinwand machen. Und das ist wirklich, wirklich schwierig. Deshalb sehen sie viele Schauspieler, oder Leute, die gerne Schauspieler wären, die einen gewissen Grad von Berühmtheit, Aufmerksamkeit oder Erfolg erreichen, und sie sehen sie implodieren oder sie sehen, wie sie launisch werden, sie sehen, wie sie Drogen oder dem Alkohol verfallen oder sich aufführen, weil sie tief im Innern fürchten, dass sie nicht gut genug sind. Sie verstehen nicht wirklich, dass es alles ein Glückstreffer war, als sie durch die Tür gegangen und zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort waren. Es war nicht kausal, es war nicht „Ich sorge dafür, dass das jetzt passiert“. Sie sorgen nicht dafür, dass etwas passiert. Und falls einige von ihnen schon lange genug in diesem Leben sind, haben sie darüber nachgedacht und verstanden, dass sie nicht wirklich etwas geschehen lassen können. Was sie machen ist dafür zu sorgen, dass sie an einem Prozess teilnehmen, sei es spielen oder Regie führen, Gartenarbeit, malen oder bauen. Sie werden in den Prozess involviert und sie machen es so spezifisch wie möglich, sie machen die Striche durch die „Ts“, sie setzen die Tüpfelchen auf die „Is“, sie versuchen, in diesem Moment zu bleiben, sie machen ihren Job. Und wenn sie auf ihrer Reise und in ihrem Leben, wenn es vorgesehen ist, dass es sich mit etwas wie Ruhm oder Erfolg oder was auch immer überschneidet, dann soll das so sein und dann wird das passieren. Und das Problem an diesem Punkt ist, dass sie glauben, etwas getan zu haben, dass sie es zustande gebracht haben und sie vergessen, dass es Glück war, oder sie vergessen, dass es Timing war, dass es das Schicksal war, dass es die Sterne waren, dass es mit ihnen nichts zu tun hatte. Und diese unterschwellige Angst ist die Wahrheit, dass es alles Schicksal war und damit können sie nicht umgehen, also stolpern sie herum und denken: Moment mal, ich muss das machen, ich muss es erhalten, darauf aufbauen, ich muss es geschehen lassen, weil wir in unserer Gesellschaft darauf trainiert sind zu glauben, dass wir Dinge geschehen lassen können. Es gibt einen Unterschied zwischen etwas geschehen zu lassen und eine Person zu sein, eine gute Person zu sein, eine ehrliche Person, eine Person, die lernen möchte, eine Person die ein Teil von etwas sein will, eine Person, die berühren und berührt werden möchte. Ich werfe ihnen hier viele Ideen vor, aber da ist eine sehr gewöhnliche, alltägliche Spannung bei diesen Dingen. Die Leute tendieren dazu, nur das Äußere in der Welt des Films, des Fernsehens, des Showbusiness, der Sichtbarkeit, der Berühmtheit zu sehen, sei es Singen oder Schauspielern oder was auch immer, Football.

Nachrichtensprecher sind heute Stars, stellen sie sich das mal vor! Und die Leute schauen dann auf das Äußere und sagen: das möchte ich sein, ich möchte ein Stück davon, hauptsächlich wenn sie hineinschauen, da ist niemand, den sie wirklich kennen oder denken, dass sie ihn mögen oder sich bei ihm wohl fühlen. Da ist nichts Falsches dran. Ich gebe bereitwillig zu, dass ich als Kind verloren war, ein großer Teil von mir wurde Schauspieler, weil ich herausfinden wollte, wer zur Hölle ich eigentlich bin. Und weil ich diese Anerkennung und diese Aufmerksamkeit wollte. Ich erzähle eine Geschichte über mich, ein Witz auf meine Kosten, als ich in New York war und ich mir meinen Weg nach oben erarbeitet habe und was ich außerhalb des Broadway machte, was auch immer. Die anderen Schauspieler, wir kamen alle zusammen und wir tranken zusammen und hingen bei Jimmy Allen’s, Joe, Joe Allen’s, Jimmy Ray’s ab und wir sagten: „Ich würde nicht nach New York gehen. Ich bin Schauspieler, im Theater. Ich kann da hin gehen und einen Film machen, ich mache eine TV Show, ich mache, weißt du, ich gehe da hin und mache einen Auftritt, aber ich werde nicht dort leben! Ich werde nicht da raus gehen und ein Teil dieser hirnlosen Fleischfabrik werden. Ich bin Künstler!“ Und dann kam Norman Jewison in die Stadt und suchte Schauspieler für den Film von „Fiddler on the Roof“ (dt. Anatevka) und sie riefen an und fragten, ob ich lesen würde. Ich las es und dachte dass ich der Falsche dafür wäre. Und ich ging hin und sprach vor und er beschloss, dass er mich für einen Screentest nach Kalifornien einfliegen wollte und das erste was ich machte war, dass ich runter zu Ballys Schuhladen an der Sixth Avenue ging und mir ein Paar weiße Halbschuhe kaufte. (Gelächter) Weiße Halbschuhe! Ich legte es offensichtlich mehr darauf an, ein Star zu sein, als ich mir gegenüber zugeben wollte. Und ich habe die Bedeutung dieser Tatsache nicht erkannt, oder die Realität, bis „Starsky & Hutch“ kam und plötzlich machte jeder viel Aufhebens um mich und sagte: „Du bist das Größte seit geschnittenem Brot!“ Vielleicht sagen sie nun: „Hey, Mann, sie verdienen eine Menge Geld, ich würde das jeden Tag auf mich nehmen. Sie verdienen Geld und die Leute waren ein bisschen ‚ah’ und gib mir und tadah und all das. Ich würde das jederzeit auf mich nehmen ohne mit der Wimper zu zucken, es ist okay für mich, Ich mache es alles, ich signiere die Autogramme, weil es genau das ist, worauf wir in unserer Gesellschaft trainiert werden. Wir werden darauf trainiert zu glauben, dass der Dollar, die materiellen Güter, der „Erfolg“ in Bezug auf was wir besitzen, was wir haben, was wir erschaffen können, auf was wir zeigen können oder mit was wir uns identifizieren können, dass es das ist, was wir sind. Und, was wir anfangen zu lernen wenn wir älter werden, wenn wir Glück haben, fangen wir an, uns darüber bewusst zu werden, dass, wenn wir glücklich wären, dass das nicht ist, wer wir sind. Wir sind nicht all diese Dinge. Wir sind nicht dies oder das, oder das Geld was wir verdienen oder die Dinge, die wir besitzen. Das sind wir nicht. Wir sind alle gleich. Wir sind all diese Tiere, die dieses Bewusstsein, die Gabe haben, Mitgefühl für uns und andere zu empfinden. Wir haben alle dieselben Bedürfnisse, dieselben Wünsche, dieselben Sehnsüchte und die Dinge, nach denen wir uns am meisten sehnen, egal was wir tun, ob sie Architekt sind, Schauspieler, was immer sie wollen, ist, ob wir einen Weg finden können, gegenwärtig zu sein. Ich bin auf dem Tennisplatz, ich spiele Tennis und plötzlich bin ich außerhalb meiner selbst. Ich weiß nicht, was es ist. Ich treffe jeden Schlag und es ist wie, WOW, ich bin in diesem Moment. Ich bin gegenwärtig. Ich sehe gegenüber ein Mädchen, sie sieht mich an, sie lächelt, ich lächle und plötzlich vergesse ich alles. Ich habe mich verliebt. Ich bin gegenwärtig. Ich male ein Bild und ich verliere mich darin. Ich bin gegenwärtig. Ich schreibe etwas, oder arbeite im Garten, oder ich wasche ein Auto oder ich mache zu Hause den Abwasch. Ich lasse mich darauf ein. Und ich denke nicht darüber nach wo ich gern wäre oder wo ich sein könnte oder wo ich war oder wo ich sein möchte oder all das. Ich bin nur gerade genau im Hier und Jetzt, ich bin gegenwärtig… denn wenn wir gegenwärtig sind, wenn wir präsent sind, dann sind wir in Frieden mit uns selbst und wir fühlen uns gut. Einige Leute nennen es verliebt sein; einige nennen es eins mit Gott sein, einige Leute… nennen es… nennen sie es, wie sie es nennen wollen, aber das ist es, was wir wollen, denn in diesem Moment der Gegenwärtigkeit fühlen wir alle unsere Verbundenheit mit der Existenz, mit dem Sein, lebendig zu sein und es fühlt sich gut an. So fühlt es sich an, wenn man zentriert ist. Ob sie nun spielen, um das zu erreichen, oder was auch immer sie machen… das ist meine Ansicht darüber, wie wir in dieser Gesellschaft konditioniert und aufgezogen werden. An Geld zu glauben, an Besitztümer, daran zu glauben, dass Erfolg etwas ist, das uns sagt, wer wir sind und uns gut fühlen lässt darüber wer wir sind und was uns ausmacht - aber das tut es nicht. Wir erzählen Millionen von Geschichten darüber, wie es das nicht tut und sie können dort sitzen und sagen „Ya, aber, oh Mann, sehen sie, für sie ist es leicht das zu sagen, sehen sie wo sie sind“ … Nun, jeder fühlt denselben Schmerz, und jeder fühlt denselben Verlust, und jeder fühlt dieselbe Angst und jeder hat sich mit der Realität auseinanderzusetzen, dass wir keine Kontrolle über unsere Sterblichkeit haben. Und wir sind alle gleich und es ist alles nur relativ. Ich habe meine Reise als Künstler, als Person, als menschliches Wesen aufgenommen, ich habe mir die größte Lektion, die ich finden konnte, zu Herzen genommen und die wäre, solange ich ein Schüler und Lernender bleiben kann, und Fragen stellen kann, wer ich bin und warum ich hier bin, egal was ich mache – egal was ich mache, dann habe ich eine Chance, verbunden zu sein, eine Person zu sein, präsent zu sein, …. dann habe ich eine Chance.

(Zu einem Zuschauer mit einem Hund)

Wie ist der Name von dem Hund?

Zuschauer: „Nitro“.

PAUL: Wie bitte?

Zuschauer: „Nitro“.

PAUL: „Nitro“. Er ist im Moment aber nicht gerade „Nitro“. Er ist im Land der Nickerchen .

Ja (zu einem anderen Fragesteller)

Fragesteller 5: Nur um es von vornherein festzuhalten, ich liebe mich wirklich selbst. Das wollte ich nur loswerden.

PAUL: Wir alle lieben uns selbst.

Fragesteller 5: OK.

PAUL: Wir hassen uns auch, fürchten uns selbst. Wir sind eine Kombination von allem.

Fragesteller 5: Nicht wirklich.

PAUL: Sie lieben sich wirklich! (Gelächter) Nun, ich könnte mich eines Tages in ihrem Kleiderschrank verstecken, sie dann überraschen und herausspringen und sagen: „Aha, sehen sie das hier?“

Ich glaube, was sie sagen möchten ist, dass sie sich wirklich selbst lieben, und sich selbst lieben möchten, was eine sehr wertvolle Sache ist die man sich eingesteht. So… stellen sie mir eine weitere Frage und sehen wir mal, wie lange ich rede. (Gelächter)

Yah.

Fragesteller 6: Was hat sie dazu veranlasst, Regisseur zu werden?

PAUL: Wissen sie, mein Vater war Architekt und ich habe immer gesagt, dass ich wohl auch einer geworden wäre, wenn er keiner gewesen wäre. Als ich „Starsky & Hutch“ machte und ich hatte einen Magister in Regieführen, also habe ich ein bisschen beim Theater Regie geführt, aber ich hatte nicht wirklich viel Geduld dafür. Und als ich „Starsky & Hutch“ machte, war ich nicht sehr glücklich, Ich wollte keine Fernsehserie machen und befand mich nun mittendrin und ich wollte aussteigen und erkannte schließlich, dass ich nicht aussteigen konnte. Ich begriff auch, dass der Film das Medium des Regisseurs ist, während das Fernsehen mehr das Medium des Produzenten ist, bezüglich wer das Sagen hat… das Theater ist das Medium des Schauspielers, sie sind es, der auf der Bühne steht. Und im Film haben sie so viele Gebiete, mit denen sie sich als Regisseur beschäftigen müssen. Sie filmen, sie unterrichten, sie arbeiten mit 100 bis 120, 120 bis 170 Leuten und teilen eine Vision und bewegen sich in eine bestimmte Richtung. Sie bearbeiten, sie benutzen Musik und in all diesen Gebieten lernen sie ständig, weil sie immer gezeigt bekommen, was sie nicht wissen, und so sind in der Filmwelt mehr Bereiche, um die ich mich kümmern muss und ich mochte das wirklich. Ich mochte es mehr als das Spielen. Tatsächlich bin ich vor ungefähr zwei Monaten vor eine Entscheidung gestellt worden…

(zum Publikum) … es ist nicht gut, wenn das Publikum so nach und nach den Saal verlässt, wissen sie? (Gelächter) Das bedeutet, dass die Show gerade nicht gut ist. Ah… (lacht)… es ist ok… (Paul ruft und lacht)… „Ich bin zwei Stunden gefahren!“ (Alle lachen)

Da sind so viele verschiedene Sachen, die man als Regisseur machen kann und das hat mich mehr gereizt… oder wie ich gerade sagen wollte, vor ein paar Monaten wurde ich gefragt, ob ich in New York in einem Stück spielen wollte. Und ich, oh Mann, ich steckte in einer richtigen Zwickmühle. Ein Teil von mir wollte das wirklich machen, ein Teil von mir wusste, dass ich dort einen richtig guten Job machen konnte und es wäre ein richtiger Ausflug in meine eigene Vergangenheit gewesen, nach all diesen Jahren der Abwesenheit vom Schauspiel und zurückzukommen, weil ich das Schauspielern gerade erst wieder vor wenigen Jahren angefangen habe, ich hatte seit 17 Jahren nicht mehr gespielt und ich entschied mich, es nicht zu tun. Ich fand, dass meine Kreativität oder mein Vergnügen eher im Prozess des Schreibens liegt, und im Produzieren, und im Regie führen, als meine Filmkarriere wiederzubekommen, womit ich nun seit sechs bis sieben Jahren kämpfe, also habe ich Schreiben studiert, habe Drehbücher geschrieben und all das…

(Zu einem Zuschauer)… Wie geht’s ihnen, Chief? Sind sie ok?

Zuschauer: Ja, mir geht’s gut…

PAUL: Sind sie ok? Ich will nur sichergehen dass ihre Hand nicht ausrutscht, wenn sie so…

Ok, so viel dazu.

(Zum Fragesteller) Ja, ja…

Fragesteller 7 (Annette!): All ihre Regiearbeit in Starsky & Hutch, „Bloodbath“ (dt. „Kriminell ist nicht das Wort“) und „Terror on the Docks“ (dt. „Gefahr im Hafen“), es scheint so, dass ihre Art Regie zu führen so viel anders ist als das, was ich in den anderen Episoden gesehen habe. Haben sie da etwas ausprobiert, oder…

PAUL: Nein, genau genommen, „Bloodbath“… ich glaube Bloodbath war über… war…

(Gelächter)

Fragesteller 7 (Annette!): Bloodbath war… sie wurden in den Zoo entführt…

PAUL: Oh, im Zoo! Im alten Zoo! So war das, es war die erste Episode… ich wollte nur sichergehen, dass ich sie nicht mit einer anderen Folge verwechsle. Es war die erste Episode bei der ich Regie führte. Und sie haben darauf gewartet, dass ich auf den Hintern falle! (Gelächter) Ich sage ihnen, oh diese Typen, jeder dachte… „Oh, dieser Typ denkt, er kann Regie führen“. Ich beschreibe diese Erfahrung als „Hintern beißt Stuhl“. Ich überlebte es. Ich hatte viel Regiearbeit gesehen, aber im Grunde genommen ging es ums Überleben. Und während das vonstatten geht, haben sie ihr Auge, sie haben ihr Bild davon wie sie es sehen möchten, und was sie versuchen zu tun. Vielleicht klang das durch.

Fragesteller 7 (Annette!): „Terror on the Docks“… vielleicht können sie sich daran auch nicht mehr erinnern…

PAUL: Tue ich!

Fragesteller 7 (Annette!)… Beispielsweise wäre Hutch hier und sie wären hier und die Kamera wäre hier und die Kamera filmt durch das Auto... Fabelhafte Aufnahmen, aber es hatte den Anschein, als wären sie sehr anders.

PAUL: Jeder hat sein eigenes Empfindungsvermögen…

Fragesteller 7 (Annette!): Nun, ihre waren natürlich am besten!

PAUL: Nun, danke. Manche Regisseure sind nicht photographisch. Manche Regisseure verlassen sich auf den Kameramann, dass er die Szene einfängt. Einige Regisseure können nicht gut mit den Schauspielern umgehen, manche Regisseure sind großartige Politiker. Sie bekommen den Job weil sie ein guter Politiker sind, mit den Studios und allen anderen. Ah, es gibt so viele Arten von Regisseuren. Ich meine, ich bin Purist. Wissen Sie, ich glaube, dass, um ein wirklich guter Regisseur zu sein, müssen sie all diese Dinge können. Ich war nie ein guter Politiker. Aber wissen sie, ich hatte immer Spaß am fotografieren. Ich liebe es, eine Kamera zu bewegen. Ich denke, dass dies ein faszinierender Weg ist, das Publikum zu beeinflussen, ohne dass sie es merken. Wenn sie sich die heutigen Filme ansehen, die Filme, die zur Zeit aus den Studios kommen, die sind sehr temporeich, wissen sie, sie editieren sie, wenn sie einen Film überarbeiten, dann können sie einen Rhythmus kreieren. Ich kann eine Unterhaltung mit ihnen haben, eine Szene mit ihnen und wir können die Kamera für eine Weile auf sie halten, dann für eine Weile die Kamera auf mir lassen und wenn wir versuchen würden, das Gewicht der Welt festzustellen oder uns mit etwas anderem Schwerwiegenden abmühen würden, dann würde das funktionieren. Aber wenn wir wirklich für das Publikum das Interesse, die Neugier oder das Gefühl der Spannung erhöhen wollen…

Oops, da geht noch jemand… (eine Zuschauerin geht; Gelächter)…

Frau die gerade geht: Ich habe ein Meeting!

PAUL: Nein, haben sie nicht, sie kommen hier nicht frei raus, Schätzchen… (Gelächter)

... dann können sie es überarbeiten und hin- und herspringen (schnippt mit den Fingern), schneller, schneller, schneller, sehen sie, und sie können Spannung erzeugen. Nun, Actionszenen, der Trick beim Filmen einer Actionszene ist, dass sie eine Menge Schnitte generieren wollen, oder eine Menge von Blickwinkeln, eine ganze Menge Stücke denn sie wollen sich für das Publikum in das Gefühl hinein versetzen, wenn das Auto zerschmettert wird oder wenn ein Typ vom Dach springt… (schüttelt die Hände) badaadaah. (spricht langsamer) Es ist nicht… wie… eine Liebesgeschichte… (Gelächter) wissen sie. Es ist schneller, und so wollen sie eine Menge Schnitte generieren, so dass sie eine Menge schnell editierter Rhythmen erschaffen können. Tatsächlich entwickelte sich eine interessante Sache als wir anfingen „Starsky & Hutch“ zu machen. Die vorherrschende Kamera, die man überwiegend benutzte, wurde „Mitchell“ genannt und eine Mitchell war eine große, schwere Kamera, die seit Jahren in Hollywood verwendet wurde. Sie konnte nicht hin- und herbewegt werden. Sie war groß und klobig und sie hatten einige davon, sie konnten sie auf einem Kamerawagen betreiben, oder sie auf einem Kran platzieren, aber, und genau deshalb, fanden sie, dass der Film, wenn sie einen Film anschauen, wenn sie alte Filme anschauen, der Akzent, oder das erhöhte Spannungstempo, die Krise, die Kamera bewegte sich, die Bearbeitung wurde schneller… nun, und das war für die Betonung. Als die neueren Kameras kamen, die Panaflex, welche eine leichtere Kamera war und all das Equipment, das sie unterstützt, plötzlich konnten sie sie bewegen, sie konnten sie platzieren… und, die Steady Cam, die Pogo Cam und all diese verschiedenen Geräte… (zeigt auf eine Zuschauerin) Oops, sie ist eingeschlafen… (Gelächter) Erwischt! All diese Geräte, all diese Apparate ermöglichten ihnen, die Kamera zu bewegen. Also bewegt man nun die Kamera sehr oft und schneidet sehr oft, und da sind eine Menge Spezialeffekte, woo, und sie schrauben die Lautstärke hoch, so dass es wirklich laut ist, damit sie denken, dass etwas passiert. Die interessante Sache, die mit der Veränderung der Ausrüstung passierte, wenn sie wirklich etwas in einer Story betonen wollten, stoppten sie alles. Also gehen sie entlang - bahpbahpbahpbahp - und alles ist schneller, schneller, schneller …. dadadadada… STOP! Und für einen kurzen Moment macht das Publikum folgendes: (Paul lehnt sich vor und erstarrt) sie lehnen sich nach vorne, sie lehnen sich vor, sie hören zu. Sie können das nicht allzu lange machen oder sie verlieren sie. Aber das war eine sehr interessante Veränderung in der gesamten Technik, die durch die Veränderung der Ausstattung im Business verursacht wurde. Die eine Sache, die die Leute nie so gut verstanden haben, dass es die Veränderung der Ausstattung war, dass man es nun bewegte Bilder nennt, was heißt, dass der Film durch das Tor läuft, es ist in Bewegung, also wenn sie etwas filmen, dann sind sie immer in Bewegung, sie sind immer in Bewegung. Und selbst wenn die Kamera still stehen bleibt, suchen sie immer nach etwas Bewegung. Sie suchen nach etwas, das vonstatten geht… in den Augen, in der Story, in den Gefühlen, in den Empfindungen der Leute. Und die Kamera steht nur da aber da passiert immer noch was. Wir nennen es Emotion. Das ist wichtig.

Nächster…

Sir…

Fragesteller 8: Wie war es für Sie, sich zu arrangieren?

PAUL: Wie war es für mich, als ich mich arrangieren musste? Ich hatte eine schreckliche Zeit, eine schreckliche Zeit. Ich konnte nicht verstehen, warum die Leute ständig so einen Aufruhr gemacht haben. Ich habe es nicht kapiert. Und ich habe es erst sehr viele Jahre später verstanden. Was ich in einer Redensart beschreibe, die ich über die Jahre hinweg benutzt habe und die lautet… „Die Leute schaffen sich ihre Götter um sie zu verschlingen.“ Was, wenn sie innehalten und darüber nachdenken, wirklich wahr ist, wissen sie, sie sehen jemanden, sie wollen ihr Autogramm, jemand der berühmt ist, sie möchten ein Bild von ihnen, sie möchten ein Stück ihrer Kleidung, sie möchten sie berührenund sie möchten ein Stück von ihnen. Sie möchten fühlen, sie wollen ein Stück von ihnen haben! Und auch wenn ich Gefahr laufe, in den Bereich der Religion abzudriften… das Blut Christi, die Hostie, der Leib Christi, es ist dasselbe. „Wir schaffen unsere Götter um sie zu verschlingen.“ Nun was bedeutet das? Es bedeutet, dass… wir haben diese enorme Angst vor dem Tod, vor der Sterblichkeit, wie wir in unserem Leben existieren wenn wir wissen, dass wir sterben werden, also erschaffen wir Helden, die das für uns tun – die diese Angst konfrontieren, der Angst vor Machtlosigkeit, die Furcht vor Gefahr – und sie sind erfolgreich. Der Zähler steht bei drei oder zwei, die World Series , das Spiel ist im Gleichstand, der letzte der Neunten, kann der Schläger, mit all diesem Druck auf ihm, kann er sein Auge auf dem Ball behalten und ihn aus dem Park befördern? Er ist ein Held, wenn er es tut! Tiger Woods, der am Sonntag mit diesem wundervollen Schlag den Ball eingelocht hat. Wir erschaffen unsere Helden als Leute, die mit dem Umgang mit der gemeinen Furcht vor unserem Sterben, der Angst vor dem Tod, der Angst vor Gefahr, erfolgreich sind. Ich wollte nicht diese Person sein. Ich habe es nicht verstanden. Wie konnten die Leute mich und das was ich mache anschauen… ich sah den Pilotifilm von „Starsky & Hutch“, sie hatten eine Vorführung von „Starsky & Hutch“ bei 20th Century Fox und ich dachte: „Gott sei Dank wird das nicht passieren.“ Und nachdem ich die erste Episode im Fernsehen sah, wandte ich mich an David und sagte „Gott sei Dank haben sie nur 13 Folgen davon bestellt!“ (Gelächter) Ich hielt es nicht für angemessen, dafür diese Lobhudelei zu bekommen und es machte mich verrückt. Es machte mich wahnsinnig! Ich war nur, ich hasste es, und es dauerte bis ungefähr die letzten fünf bis zehn Jahre, bis ich damit meinen Frieden schließen konnte und sagen konnte: „OK, es wird nicht aufhören. OK, ich bin hier und was immer ich mit diesen Leuten teilen, lehren und lernen kann, das mache ich.“ Ich habe einen Vorteil gegenüber den meisten Leuten hier in diesem Raum… ich bin älter, ich habe sehr viel erlebt. Und über vieles von dem, was ich ihnen sagen werde, denken sie „Ja richtig, sicher, nun ich nicht, das wird mir nicht passieren, pfff“, wie sie das mit ihren Eltern machen, aber… ich versuche es weiter, weil ich ein Idealist bin, ein Romantiker und ein Träumer und ich glaube, dass etwas von dem, was ich hier erzähle, hängen bleiben wird; wenn nicht heute, aber dann vielleicht in zehn Jahren, wenn ihr Gedächtnis immer noch funktioniert, was bei meinem nicht der Fall ist, und dann werden sie sagen: „Nun, was war es, das er gesagt hat, oh mein Gott, das ist gerade passiert, das war, das war… oh!“ Es wird von ihnen nicht erwartet, dass sie alles jetzt gleich verstehen. Ich benutze meine Position gern zu meinem Vorteil, indem ich ihnen alle möglichen Sachen vorwerfe, die sie aufnehmen können oder eben nicht.

Yah.

Ja, Sir.

Fragesteller 9: Wie sehen sie die Rolle der Medien im Konzept der Berühmtheit, die Medien und die Öffentlichkeit, das Huhn und das Ei…?

PAUL: Nun, die Öffentlichkeit hat dieses Bedürfnis, wie ich gerade gesagt habe, sich ihre Prominenten zu erschaffen, sich ihre Götter zu erschaffen. Ich kann mich daran erinnern als das People Magazin jeden Monat einen anderen Prominenten brachte, und jetzt, mein Gott, man kann gar nicht mehr mit denen mithalten. Ich habe es in der Tat aufgegeben, ich versuche es erst gar nicht. Und wenn ich jetzt auf Partys gehe, ich gehe nicht oft auf Partys, und Leute treffe, Prominente, aber wenn ich gehe, dann sage ich: „Was machen sie so?“ (Gelächter) Es ist nicht wirklich politisch korrekt. Also, es ist das Bedürfnis der Öffentlichkeit, von uns allen, wir alle brauchen das, wir alle erschaffen das und wir suchen danach. Die Medien sind ein Geschäft. Sie müssen das verstehen. Es ist ein Unternehmen. Das Fernsehen ist ein Medium für die Produzenten und es existiert aus einem einzigen Grund… um Seifenopern zu erzählen. Dass es das tut, indem es Geschichten erzählt, die sie berühren, oder mit ihnen das Leben anderer Leute teilt. Durchschnittsbürger lassen ihre Häuser renovieren oder ihr Haar erneuern, oder ihre Gesichter, oder was auch immer sie erneuern lassen. Gleich welcher Realitätsstoff, wissen sie, ob es durch das oder durch eine dramatisierte Geschichte, Komödie oder was auch immer vermittelt wird, sie nutzen trotzdem dieses Bedürfnis aus, um verkaufen zu können was sie verkaufen. Und all zu oft sagen ihnen diese Leute, die es verkaufen, was sie sich ansehen sollen. Das ist der Grund warum das Fernsehen, mit all seinen wunderbaren Möglichkeiten, ein geschicktes und gefährliches Werkzeug in den Händen der Business-Gemeinschaft und in der politischen Gemeinschaft geworden ist. Wenn sie sich heute die Nachrichten ansehen, dann sehen sie keine Nachrichten - sie glauben, dass sie sich die Nachrichten anschauen, aber sie sehen sich Unterhaltung an, es ist heute alles Entertainment. Es ist, als ob man eine Zeitung nimmt, die Zeitung in New York City „Heute sechs Menschen ermordet! Fünf Unfälle, dieses Haus ist heute abgebrannt, diese Frau fand einen Finger in ihrem Chili.“ Ich meine… es ist nicht erzieherisch, es baut sie nicht auf, das einzige was es macht, ist ihre Neugier zu wecken und es bewegt sie dazu sich zu fragen, was dieser andere Typ… es ist, wie wenn man auf der Autobahn fährt und wir sehen einen Unfall. Wir fahren alle langsamer „Whoa, Mann, was wäre, wenn mir das passiert wäre.“ Wir denken nicht, was wäre, wenn mir das passiert wäre, wir denken: „Woo, sieh dir das an!“… (ein Handy klingelt) … Ich hoffe, dass mein Handy nicht losgeht, das wäre ein echter Heuler für uns alle.

Wie finden sie also die Balance zwischen diesen beiden Seiten? Wie finden sie einen Ausgleich zwischen dem, was wir als Menschen wollen und dem, was die Medien tun? Nun, das ist der eigentliche Kampf. Der Kampf zwischen der Seite von uns, die spirituelle Erfüllung möchte und der Seite von uns, die materielle Erfüllung will. Wissen sie, und es ist ein Kampf, der im Innern von jedem von uns stattfindet. Ich erzähle ihnen eine kleine Geschichte, weil es eine von diesen interessanten Sachen ist, an die man sich erinnert, über das Geschichten erzählen. Das entstand aus, es war eine Hypothese, die in einem Buch über die Theorie namens „Die Herkunft des Theaters“ herausgebracht wurde. Ich habe es in der Hochschule gelesen und mich immer daran erinnert und ich habe immer gedacht, dass es irgendwie cool ist. Stellen sie sich, wenn sie möchten, den Urmenschen vor und er hat Feuer, er hat das Feuer gefunden, er sitzt dort im Dunklen…

(zu einem Zuschauer) Kommen sie, stören sie Dynamit nicht…

… er sitzt dort im Dunklen, mit seinem Feuer, mit einem anderen Typen und da draußen sind all diese Geräusche, all diese Tiere die kommen und sie fressen wollen. Und sie fürchten sich, sie zittern, sie sind natürlich nicht entsprechend angezogen, dass sie in etwas zittern können, aber sie zittern… (Gelächter) und einer von ihnen hebt einen Stein auf und er schlägt ihn gegen einen anderen Stein (Paul schlägt mit seiner Wasserflasche gegen die Wand), seine Hand, er hat dieses Geräusch gemacht… cool! Hey, das ist cool! Der andere Typ denkt, das ist so cool, dass er Folgendes macht (Paul schlägt seine Wasserflasche an die Wand und grunzt dabei „a-uh“). Sie verbringen damit die Nacht, sie fühlen sich beide richtig gut, sie können einen Kausalzusammenhang erleben. Sie machen etwas, richtig? 1000 Jahre später sind vierzig Familien in der Höhle und sie haben alle zu viel Säbelzahntiger gegessen und sie sind müde und sie wollen alle schlafen. Und niemand will „Uhnn“ machen, niemand will Felsen zusammenschlagen, grunzen oder irgendwas. Also wählen sie jemanden aus, der es für sie tut und diese Person wird der Schamane, der Priester, der Rabbi, der Geschichtenerzähler. Die Person, die die Geschichte erzählt, um uns daran zu erinnern, dass wir Angst vor den Tieren haben, die da draußen im Dunklen sind, das ist es, was Geschichtenerzählen ausmacht. Geschichtenerzählen ist ein sehr heiliger Zeitvertreib. Wir ehren unsere Geschichtenerzähler und die Leute, die diese Geschichten ausdrücken, die diese Geschichten vorführen, wir ehren sie, weil sie sie verwirklichen, sie bringen uns näher an uns selbst. Die Bibel besteht aus Erzählungen, es sind alles Geschichten, es ist wichtig, dass sie sich das in Erinnerung rufen, wenn sie versuchen, die Balance zwischen dem Kommerz der Medien, dem was unser allgemeines kollektives Bedürfnis Geld zu machen ist, Sicherheit, Bequemlichkeit und Eigentum schaffen, materielle Dinge schaffen, das wir haben und worüber wir uns gut fühlen können, und die andere Seite von uns, die sich gezwungen fühlt, wirklich gezwungen fühlt, ich muss diese Geschichte erzählen, ich muss meine Geschichte finden, ich muss eine Geschichte erleben…

(Zu einem Zuschauer) Funktionieren diese Beine noch? Funktionieren sie noch? Sie gehen nach oben und nach unten und? Strecken sie sie nur mal ein bisschen aus… cool.

Nächster, Sir…

Fragesteller 10: Ich nehme an sie stimmen zu, dass es da draußen eine Menge Müll gibt, was Unterhaltung und Filme angeht. Und ich nehme an, dass nicht jeder dieses Verlangen hat, eine Geschichte zu erzählen und es als eine heilige Kunst ansieht. Wie viele Leute da draußen in Hollywood oder in den Medien tun es, weil es ein Verlangen ist? Ist vieles davon nur Geschäft…?

PAUL: Nun, wie ich bereits sagte, verschiedene Leute haben verschiedene Sehnsüchte. Manche fühlen sich gezwungen viel Geld zu verdienen, manche fühlen sich gezwungen berühmt zu sein, manche fühlen sich gezwungen schön zu sein, manche fühlen sich gezwungen andere zu kontrollieren. Ich würde es wagen zu sagen, wie viel oder wie viele oder welcher Prozentsatz an Leuten da sind, dafür müssen sie nur in sich selbst blicken und sagen, welcher Teil von mir will das, und zu anderen Zeiten, weil es sich alles verändert und welcher Teil von mir will es und es geht vor und zurück, vor und zurück. Ein Typ wird nach Hause gehen und einen Pott voll Geld machen und Macht bekommen und sich dann plötzlich umdrehen und sagen: „Das funktioniert nicht für mich. Ich möchte hingehen und den Kindern in Ruanda helfen.“ Auf diese Weise hat jedes menschliche Wesen seine eigene Reise. Wir alle haben unsere eigene Reise und während dieser Reise ist da immer dieser Kampf zwischen dem Teil von uns, der das eine will und der andere Teil von uns, der etwas ganz anderes will. So verbleiben sie dann mit Ghandi der sagt „fügen sie nur niemandem Schaden zu“. Finden sie die Wahrheit und fügen sie niemandem Schaden zu.

Ja, Sir…

Fragesteller 11: Welche Art von Beziehung besteht zwischen einem Autoren und dem Regisseur, wenn es da überhaupt eine gibt…

PAUL: Wooooo

(Gelächter)

Fragesteller 11: … und was wird vom Regisseur erwartet?

PAUL: Wissen sie, ich schreibe nun seit fünf oder sechs Jahren, davor pflegte ich die Autoren umzuschreiben. Und als Regisseur dachte ich oh Junge, ich kann das. Ich hatte Poesie verfasst und ich hatte andere Sachen geschrieben und ich dachte, ich fühlte, ich habe bei Starsky und Hutch ständig den Dialog umgeschrieben. Und dann habe ich angefangen, es zu studieren. Theater ist, während es ein Medium des Schauspielers ist, auch ein Medium des Schriftstellers, seine Worte werden in Stein verewigt. Sie legen sich nicht mit den Theaterautoren an. Im Fernsehen tanzen ihnen die Produzenten, eigentlich jeder, auf der Nase herum. Der Film ist das Medium des Regisseurs und der Autor ordnet sich den Bedürfnissen des Regisseurs unter. Das heißt nicht, dass die ursprüngliche Intention des Schreibers, die Welt, die er erschafft, die Genauigkeit mit der er entwirft, und die Einmaligkeit wie seine Vision funktioniert, und die Leidenschaft, die sie dazu veranlasst hat, es zu Papier zu bringen und zu gestalten, keinen bleibende Auswirkung hat und ich glaube wirklich dass, wenn ich als Regisseur mit einem Autoren arbeite, und ich habe mit einer Menge von ihnen gearbeitet, und ich habe als Co-Autor an einigen Drehbüchern mitgearbeitet, die ich auf den Weg bringen möchte. Ich arbeite so weit wie möglich mit einem Autor zusammen und wenn ich den Punkt erreicht habe, wenn ich der Meinung bin, dass der Autor es nicht ausführen kann oder ausgebrannt ist, dann fange ich mit dem Schreiben an. Wenn ich fühle, dass ich die die Stimmen dieser Charaktere in diesen Situationen hören und sprechen kann. Es ist nicht einfach, manchmal können sie das nicht. Im Idealfall ist es eine Zusammenarbeit. Zwei Meinungen sind besser als eine. Zwei Perspektiven, wenn sie so wollen, sind besser als eine. Oft sieht die andere Person Dinge, die sie sie nicht sehen können. Aber die ursprüngliche Reise des Autors während er seine Idee in die Welt, sie zu Papier bringt, ist unbezahlbar und ich sage oft zu mir und anderen wenn ich die Rollen für einen Film besetze - und wenn ich Rollen besetzen sage, dann meine ich nicht nur die Schauspieler, ich meine die Schauspieler, den Kameramann, den Kostümdesigner, die Bühnenbildner, den Produktionsdesigner, all diese Leute, die einen Film machen und die ihren kreativen Einsatz beitragen, und ich sage mir oft, wenn ich Glück genug habe, die Kernabsicht von der Geschichte identifizieren zu können, mit dem Autoren und mir, oder wenn ich selbst der Schreiber bin, wenn ich es identifizieren kann, dann wird es sich verändern. Ich fange mit einem Chevy an, und komme mit einem Ford heraus. Ein Film verändert sich. Sie fangen damit an diesen Streifen zu machen und am Ende kommt jener Film heraus. Es verändert sich und sie müssen ihm erlauben, sich zu verändern, aus dem gleichen Grund, wie sich der Film und seine Bilder bewegen. Es ist ein bewegliches Medium, es verändert sich, es entwickelt sich, tatsächlich entwickelt sich alles im Leben. Wenn sie in der Lage sind, die Kernintention zu erkennen, wenn sie es wirklich festnageln können, dann wird jeder, der es liest, seine eigene Interpretation dieser Intention haben. Es wird sie alle in verschiedener Art und Weise treffen und sie bringen eine andere Farbe, einen anderen Gegenstand mit zum Tanz, zu der Party. Und so, wenn sie als Regisseur erst einmal ihren Film besetzt haben, und Hitchcock hat das die ganze Zeit gesagt, wenn sie erstmal ihren Film geplant haben, wenn sie ihn vorbereitet haben, wenn sie alle Bereiche besetzt haben, und wenn alles vorhanden ist, dann ist ihr Job als Regisseur lediglich der, dass jeder andere sein Handwerk so spezifisch wie möglich ausführt, und es ist ihr Job, die Intention im Auge zu behalten und es nicht mit der Interpretation zu verwechseln. „Das ist nicht, wie ich es gesehen habe. Ich möchte das so nicht haben. Oh, das ist eine gute Idee, da hab ich nicht dran gedacht. Lasst uns das machen. Sie möchten die Kamera da drüben platzieren? Lasst uns das versuchen. Ist es glaubhaft, dass es so funktionieren könnte? Ja oder nein.“ So befinden sie sich immer in diesem Prozess wo sie versuchen, den Studenten in mir genauso zu würdigen wie den Lehrer. Lerne ich hier etwas, suche ich nach der Wahrheit?

Sir…

Fragesteller 12: Reality-TV hat den größten Teil des Fernsehprogramms übernommen, wahrscheinlich bekomme ich deshalb keinen Theateragenten, aber…

PAUL: Ist diese Frage über sie?

Fragesteller 12: Nein, nein, sie ist nicht über mich. Wie sehen sie die zukünftige Entwicklung? Ist da…

PAUL: Nun, ich denke es ist ein voyeuristisches Verlangen, weil die Welt durch Computer, durch das Fernsehen und durch Flugreisen so klein geworden ist; und ob wir es mögen oder nicht, wir wissen, wir denken, dass wir den Menschen im Irak kennen, oder wir glauben ihn zu kennen, wir nehmen nun unsere Weltgemeinschaft wahr und das erzeugt ein sehr interessantes Ereignis. Was es hervorruft, während es uns näher zusammenbringt, während es uns eigentlich angenehmer fühlen lassen sollte, erschafft es in Wirklichkeit mehr Anonymität, mehr Angst vor dem „Wer zur Hölle bin ich eigentlich?“, in wiefern bin ich etwas Besonderes? Deshalb hat man all diese Sachen wie Piercings und Tattoos. Was Reality-TV tut ist, dass es uns erlaubt, in die Schlaf- und Wohnzimmer der anderen Leute zu schauen, vom Durchschnittsbürger und es lässt uns zwei Dinge fühlen. Nummer eins, „Oh, die fühlen genauso“, und das Zweite ist, dass es uns die Fantasie erlaubt, auch einmal eine Berühmtheit sein zu können, genau wie sie. „Ich könnte diese Show machen. Ich könnte das sein! Ich könnte das machen!“

Beantwortet das ihre Frage?

Fragesteller 12: Die Antwort ist nein, tut sie nicht, nein. Ich meine, ist das, was ich von ihnen höre, wird das Reality TV kein Ende nehmen?

PAUL: Es nimmt kein Ende. Es ist da, es wird in etwas anderes mutieren und dann wieder in etwas anderes und die narrative Erzählung wird mutieren und es wird eine Kombination von beidem geben und wissen sie…

Fragesteller 12: Ich glaube, ich glaube auf was ich hinaus will ist, dass wir mit dieser Richtung irgendwann Leute sehen werden, die sterben oder getötet werden…

PAUL: Nun, ich denke….

Fragesteller 12: In Wirklichkeit.

PAUL: Nun, ich denke, dass die öffentliche Hinrichtung definitiv zu erwarten sein wird. Ich, wissen sie, es war immer eins meiner… an einem bestimmten Punkt ist es nicht mehr genug, ein Wrack am Straßenrand zu sehen oder jemanden mit bloßen Fäusten kämpfen zu sehen, zu sehen, wie jemand krankenhausreif geschlagen wird. Letzten Endes werden sie das alle irgendwann sehen wollen. Da passiert ein unheimliches Paradoxon, während wir auf der einen Seite diesen Aufschrei nach Moralität haben und für… oder nach Moralität in unserer Gesellschaft, und auf der anderen Seite ist das Gegenteil, das zur gleichen Zeit passiert und es erschafft eine viel tolerantere Atmosphäre bezüglich wie die Leute ihren Ängsten nachgeben und ihrem Bedürfnis, sich allmächtig zu fühlen. Das ist eine ganz andere Geschichte.

Ja…

Fragesteller 13: Glauben sie dass irgendetwas davon einen Einfluss auf das Handwerk des Schauspiels haben wird?

PAUL: Nun, das Handwerk des Schauspiels wird es immer geben, ich meine, wissen sie, für mich bedeutet spielen, und sie haben die besondere Fähigkeit der Bewegung und der Stimme und eine Illusion zu erschaffen, aber die wirklich interessante Sache über das Schauspielern ist nicht, dass sie Masken aufziehen, sondern sie abnehmen. Tatsächlich bedeutet es, dass sie diesen Ort in sich finden müssen, der jeden anderen berührt „Oh, Ich weiß, ich verstehe das Gefühl“ oder „Oh ja, das ist genau, wie ich mich fühle“ oder wissen sie, es wird immer dieses Bedürfnis geben, ich glaube daran, dass das Theaterschauspiel, wie ich bereits gesagt habe, die wirkliche Schule ist, es ist der wahre Platz, wo sie dieses Handwerk lernen. Ich glaube nicht, dass sie das vor einer Kamera lernen. Aber sie können vor der Kamera lernen, ehrlicher und eine bessere Person zu sein. Ich glaube, dass das wahr ist.

Sir…

Fragesteller 14: Um daran anzuknüpfen, wenn sie als Regisseur arbeiten, dann frage ich mich über die Jahre mit ihrer jetzigen Arbeit, wie entlocken sie einem Schauspieler eine Darbietung, die den Veränderungen Rechnung trägt, oder sehen sie da eine Konstante…

PAUL: Es gibt keine Konstante, weil jeder mit einem unterschiedlichen Level oder Training oder Neigung oder einer anderen Schwierigkeit oder was auch immer, daherkommt. Als sie (Annette) mich nach dieser Sache fragten, bei der ich Regie geführt habe, wo wir in dieser Werft sind und die Geschichte ist über diesen Typen, der reinkommt und eine Großmutter und ihre Enkeltochter als Geisel nimmt, die Enkelin ist um die 20, 21 und wir finden es heraus, Hutch verschafft sich Zutritt und gibt sich als Rettungssanitäter aus und schließlich komme ich am Ende und es gibt eine Schießerei. Das war eine sehr interessante Erfahrung, weil die junge Frau, die Schauspielerin, die das Mädchen, Kitty Harrold, spielte und die eine sehr gute Schauspielerin ist, das war ihr erster Job und ich beschloss das Finale im Wohnzimmer zu filmen, als Starsky am Schluss eindringt… Ich beschloss, es auf 1000 Fuß-Filmrollen zu drehen, in einer 8 Minuten-Szene, 9-Minuten-Szene. Ich hatte Filmmaterial von Dave und hatte Filmmaterial mit der Großmutter und hatte Filmmaterial mit dem Typen und während ich damit beschäftigt war, kam Kitty immer wieder zu mir und sagte: „Was soll ich machen, ich weiß nicht, was ich machen soll, was soll ich tun?“ Und ich sagte, mach' dir keine Sorgen, du kriegst das schon hin. Du machst das schon, weil sie noch keine Erfahrung hatte. Und ich drehte ihr Material zuletzt, und als ich das tat, ließ ich die Kamera laufen und sagte: „Wie fühlst du dich?“ und sie sagte: „Ich weiß nicht, was ich machen soll! Was soll ich tun?“ Ich sagte: Ausgezeichnet, ACTION! Sei genau so, und sie flippte aus, was in Wirklichkeit genau das war, was ich wollte, weil der Charakter nicht wusste, was zur Hölle sie tun sollte. So geht man mit jemandem um, der das Handwerk noch nicht beherrscht. Nun können sie jemanden nehmen, der das Handwerk und das Vokabular beherrscht und sie können sich an sie wenden und sagen… wie beispielsweise letzten Monat, da habe ich eine Vegas-Episode mit Jimmy Caan und Sly Stallone gedreht. Und Sly war überall, und ich sagte, Sly, mach' gar nichts, mach' hier einfach gar nichts. „Wirklich?“ Ja, mach' einfach gar nichts. „OK“, und dann einen Moment später sagte ich: jetzt spiel die Szene als wärst du ein 17 Jahre alter Junge. Und er ging dahin und machte „Woo“, also beherrschte er das Handwerk. Er hatte die Fähigkeit diese Anpassungen vorzunehmen. Dies sind die beiden Extreme. Wissen sie, wenn sie jemanden mit dem Vokabular haben, dann können sie zu ihnen hingehen und mit ihnen reden und sagen, sieh mal, du bist zu beschäftigt, oder ich nehme dir das nicht ab, oder was auch immer. Es passt sich an, es entwickelt sich und sie lernen ständig. Ich hatte Zeiten wo ich richtig stolz auf mich war, weil ich eine Darbietung aus dem Schauspieler herausgeholt hatte und dann gehe ich in den Schneideraum und ich sehe den Editor an und sage: „Was macht diese Person?“ und es war meine Schuld, ich habe sie zu etwas gedrängt, das nicht real war.

Fragesteller 13: Und das ist der Punkt, auf den ich hinaus wollte… woran ich anknüpfen will. Wenn sie auf dem Set arbeiten, können sie in der Regel sehen, ob sie das bekommen, was sie wollen und dann sagen sie, sehen sie sich diese Hektik an.

PAUL: Nun, meistens sehen sie, was sie wollen, aber oft machen sie sich etwas vor. Die große Sache im Moment bzw. seit den letzten 10 bis 15 Jahren, ist das Video Assist . Sie sehen heute die Regisseure die ganze Zeit damit, ich tue das oft selbst, und das ist eigentlich nicht cool. Wenn sie eine emotionale Szene drehen oder etwas das sehr… intensiv oder kompliziert ist, oder wenn eine Menge mentale oder emotionale Dinge ablaufen, dann sitze ich eigentlich am liebsten unter oder hinter der Kamera und beobachte die Augen des Schauspielers, aber meistens benutzt der Regisseur das Video Assist und beobachtet den Monitor, aber dort sieht man eigentlich nichts, weil der Kopf ist nur so groß und die Augen sind wirklich sehr klein. Oft können sie… eine andere Sache die sie machen können, ist ihre Augen zu schließen und zuhören. Sie können die Echtheit einer Darbietung in der Stimme einer Person hören. Das ist etwas anderes, das sie tun können, wissen sie, einfach zuhören, weil sehr oft, eigentlich die ganze Zeit über, müssen sie wirklich vorsichtig sein, nicht ihre Vorstellung davon, wie die Darbietung sein sollte, aufzudrängen, ganz besonders, wenn sie ein Darsteller sind oder ein Schauspieler gewesen sind.

Ja…

Fragesteller 15: Wie versuchen sie, ihre Zeit mit ihrer Familie und ihren Freunden auszugleichen?

PAUL: Wissen sie, es hat damit zu tun, wie beschäftigt sie sind. Regie zu führen ist sehr zeitraubend. Sie lernen das. Sie trainieren buchstäblich dafür. Es ist als wollten sie einen Berg besteigen, physisch, emotional, mental trainieren sie dafür, weil, wenn sie erst mit dem drehen anfangen, dann drehen sie 16 Stunden am Tag und dann bekommen sie die Tagesbänder und sie bekommen etwa vier oder fünf Stunden Schlaf und dann stehen sie am Morgen auf und alles fängt wieder von vorne an. Und normalerweise versuchen sie, bei jedem noch so rauem Wetter zu drehen, kalt, oder sehr heiß, Wind, Schnee, weil das das Licht am meisten bricht und dramatische Lichteffekte erzielt, wissen sie. Nur allein Außenaufnahmen in LA in der Mitte des Tages machen, reicht nicht wirklich. Also müssen sie wirklich dafür trainieren und sich darauf vorbereiten. Also ist das sehr aufzehrend. Es ist ein sehr zeitaufwendiger Job und sie sehen eine Menge Beziehungen die sich auseinander leben, weil sie ihrer Familie nicht die Zeit widmen können.

 

Sir…

 

Fragesteller 16: Wer ist Heutzutage ihr Lieblingsschauspieler oder ihre Lieblingsschauspielerin?

PAUL: Heutzutage? Meine Güte, wissen sie, es ist schwer einen Favoriten zu nennen. Da sind verschiedene Leute, die verschiedene Sachen machen, ich denke, Johnny Depp ist ein wirklich wundervoller Schauspieler. Ich meine wirklich, ich denke, er ist fantastisch. Ich meine Benicio Del Toro ist sehr interessant. Ich denke Sean Penn ist wirklich gut, wenn er nicht gerade im „Ich fühle Schmerz-Modus“ ist. Ich bin wirklich schlecht in so was, weil: ich sehe jemanden… ich denke, wie war noch mal ihr Name, Joan Allen, die „Upside of Anger“ gemacht hat, sie ist großartig darin. Wissen sie, der Typ der im Moment in „Fever Pitch“ spielt, ich habe seinen Namen vergessen, Fallon, Jimmy Fallon… großartig!

Fragesteller 17: Gab es da jemanden, den sie bewundert haben?

PAUL: Ja, da waren Leute, wo ich dachte, dass ich gern wie sie sein würde und dann waren da Leute, wo ich dachte, dass… wissen sie, da war Lawrence Olivier, aber er war mehr, er wurde als brillanter Schauspieler angesehen, obwohl er eigentlich eher ein großartiger Handwerker war. Er war kein großer Schauspieler. Er war ein Schauspieler in Seifenopern, der sich zu einem großen Handwerker entwickelt hat. Genau wie Bobby de Niro, der für mich ein großer Handwerker ist oder Meryl Streep. Sie sind wirklich talentiert, aber sie haben sich bis zu dem Punkt entwickelt, wo sie sie in einen Raum mit sonst wem stecken können und immer wieder die gleiche Darbietung bekommen. Sie liefern den Impuls und die Reaktion. Das ist es, was ich mit Handwerk meine. Es ist eine großartige und mutige Sache für einen Schauspieler, sich vor der Kamera zu verlieren und mit dem anderen Schauspieler zu interagieren, weil dies einen Moment erschafft, wo nicht nachgedacht wird. So ist es oft, wenn ich Regie führe, ich sage: lasst die Kamera laufen, macht weiter und ich kann in den Schneideraum gehen und kann dieses kleine Stückchen Emotion bekommen, und das das Publikum sieht das, und sie denken „was ist das, wirklich cool“, und sie bemerken es nicht, aber als Darsteller wollen sie immer wie ich es nenne, „an den Haken“, sie wollen sich selbst in die Lage bringen, wo sie in Schwierigkeiten stecken, und nicht wissen, wie sie da herauskommen sollen, und dieser Kampf, da raus zu kommen ist, was der Film, die Kamera einfängt. Es ist, wie wenn Leute Marlon Brando fragen, als er „On the Waterfront“ (dt. Die Faust im Nacken) gemacht hat… haben sie jemals den Film „On the Waterfront“ gesehen? Sie sollten ihn sich ansehen, es ist ein großartiger Film. Und er spielt einen Typen, der ein Kämpfer ist, er bringt es nicht, er schafft es nie, den Titel zu gewinnen und bekommt Ärger mit der Waterfront-Bande und er kommt daher und hinterher sagten sie zu ihm: „Mein Gott, woran haben sie gearbeitet? Woran haben sie gearbeitet? Das war unglaublich! Wie haben sie das gespielt?“ Und er sagte: „Ich habe mir darüber Gedanken gemacht, wie furchtbar sich das Makeup angefühlt hat“ (Gelächter). Er hat sich das zu Eigen gemacht, was in dem Moment war, den gegenwärtigen Moment und er befasste sich mit dieser Realität. Sie werden eine ganze Menge guter Filmschauspieler sehen und es treibt einen in den Wahnsinn wenn sie Gaststar in einer TV Show sind. Sie machen sich bereit, die Szene zu drehen und er wird reden, und er wird zum Deppen… „Wie geht’s ihnen?“ (zu einem Zuschauer) „Ich mag es, Ich mag diese Zehennägel, ist richtig gut.“ Und ganz plötzlich läuft die Kamera und er geht hin und bamm! Er ist da. Inzwischen, die Person die er studiert, sagt zum ersten oder zweiten oder dritten Mal „Ok, ich muss mich vorbereiten, ich muss mich bereithalten. Ich bin entspannt. Ok, ok, gebt mir einen Moment…“ Wissen sie, all diese Sachen. Und der echte Profi, wie Spencer Tracy, ein richtig guter Filmschauspieler, sagte: „Sag' deinen Text und stoße nicht mit der Ausstattung zusammen“. Und was er damit meinte war, sei hier, als Schauspieler, was sie machen ist, sich da durch zu bewegen, es ist eine sehr sinnliche Erfahrung, sie bewegen sich durch diese Erfahrung im Zuge der zwei oder drei Monate in denen sie diesen Film drehen, oder in der einen Woche wenn sie eine Episode drehen, sie bewegen sich durch diese Erfahrung und achten darauf, wie sie sich in jedem Moment fühlen. „Ich fühle mich heute nicht danach zur Arbeit zur kommen“, „Oh, mein Haar fühlt sich furchtbar an!“,„Oh, ich habe meine Periode“, ich habe dies, ich habe das. Ich meine, was immer auch los ist, sage ich zu einem Schauspieler wenn die Kamera läuft: „Lasst die Kamera laufen. Wie fühlen sie sich im Moment?“„Nun, ich weiss nicht, ich fühle mich gut.“ Okay, sie fühlen sich gut. Oder wenn sie richtig drauf sind, dann sagen sie „Ich kann das nicht machen.“ Ok, großartig, bleiben sie bei diesem Gefühl. Alles andere interessiert mich nicht, nur bleiben sie bei diesem Gefühl als könnten sie es nicht tun. Ok, spielen sie die Szene. Denn die Realität von dem, was gegenwärtig ist, und das geht jetzt darauf zurück, was ich vorhin gesagt habe, wenn sie gegenwärtig sind, wenn sie sich das was ist zu eigen machen, was vor der Kamera passiert, das ist es, wenn die Kamera sie liebt. Das ist es, wenn sie die Wahrheit erzählen. Sie mögen sich nicht gut dabei fühlen. Wenn ich einen Nickel für jede Vorstellung im Theater bekommen hätte, bei der ich mir dachte „Oh, ich war fürchterlich! Das war die schlechteste Darbietung in der ganzen Welt. Gott, ich bin so schlecht! Ich kann das nicht machen! Warum habe ich mir nur eingeredet, dass ich das tun kann?“ Und die Leute sagten: „Gott, das war fantastisch! Das war das Beste, was ich je von ihnen gesehen habe!“ Weil alles, was ich während der ganzen Show gemacht habe, ist, sie durchzustehen. Und das Publikum wusste das nicht, alles, was sie gesehen haben war dieser Typ, der unter Schmerzen litt und sie machen „WOW!“ (Gelächter) Das ist eine wichtige Lektion. Eine wichtige Lektion.

La Sierra Personal: Ich denke wir haben keine Zeit mehr für weitere Fragen.

PAUL: Yah.

La Sierra Personal: Ich hoffe, jeder hat sich gut unterhalten. Vielen Dank, Paul. (Publikum applaudiert)

PAUL: Vielen Dank!

Ende der Nachmittagssitzung.

 

Ein „repertory theatre“ hat ein festes Ensemble, das oft mehrere Stücke gleichzeitig im Spielplan hat. Das ist in Deutschland eigentlich die übliche Form.

Die World Series ist das Finale der US-amerikanischen Baseball-Profiligen.

Hierbei handelt es sich um ein Gerät, eine Art Monitor, das es dem Regisseur bei normalen, nicht digitalen Filmkameras ermöglicht, genau das zu sehen, was der Kameramann filmt.

Evening

 

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Transcripts by Pam.

Linguist team: Raffaella, Hilly, Marion